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Zum Ende der Seite springen Sressfreie Segelwoche auf dem Ionischen Meer
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Ulrike
kleiner Windbeutel


Dabei seit: 12.11.2009
Beiträge: 1

Sressfreie Segelwoche auf dem Ionischen Meer Auf diesen Beitrag antworten Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden       Zum Anfang der Seite springen

Stressfreie Segelwoche auf dem Ionischen Meer

Um vorhandene Segelkenntnisse zu vertiefen, bzw. die ersten Erfahrungen auf einem Törn zu machen, buchten meine Freundin und ich einen einwöchigen Segeltörn bei Windbeutelreisen. Nach freundlicher Beratung im Vorfeld entschieden wir uns für das Segelrevier um Korfu. Nach ca. zweieinhalbstündigem Flug ab Hannover wurden wir am Flughafen von Korfu gleich von einem deutschsprachigen Mitarbeiter in Empfang genommen und per Kleintransporter zum Hafen von Gouvia gebracht, wo wir direkt vor unserem Schiff „Genevieve“, mitsamt (zuviel!) Gepäck ausgeladen wurden. Das klappte ja schon mal alles prima.

Unser Skipper Lothar, aus meiner alten Heimat, dem Ruhrgebiet, kommend, empfing uns sogleich sehr aufgeschlossen und wir warteten gespannt auf das Eintreffen der restlichen Crew. Gegen 17:00 Uhr waren wir fast komplett, so dass die Einkaufliste erstellt werden konnte. Die Crew war sich schnell einig, dass die heimischen Restaurants Griechenlands dem Zweiflammenkocher an Bord zu bevorzugen sind. Somit beschränkten sich die Einkäufe neben den Getränken auf das Frühstück und diverse Snacks für Zwischendurch, was trotzdem einen prall gefüllten Taxikofferraum zur Folge hatte. Nachdem unter fachkundiger Anleitung von Lothar alles seesicher verstaut war, kam auch die noch fehlende Nicole aus Frankfurt gegen 21:00 Uhr im Hafen an. Pollerähnlich versperrte Skipper Lothar dem suchenden Taxi den Weg, damit Nicole nicht ein drittes Mal an der Genevieve vorbeifuhr. Die Crew war komplett, und der erste Abend klang in einem Restaurant des Hafens aus.

Bevor wir am nächsten Tag zum ersten Mal in See stachen, gab es die obligatorische Sicherheitseinweisung und jeder erhielt seine Schwimmweste und seinen Lifebelt. Endlich hieß es „Leinen los“ und wir motorten aus dem Hafen mit dem Ziel Sivota auf dem griechischen Festland. Zeitgleich mit uns zogen bedrohliche Gewitterwolken über Korfu auf, die sich auch noch anschickten, unsere Verfolgung aufzunehmen. Somit musste der Einsatz der Segel zunächst verschoben werden, und wie die „Weicheier“ (O-Ton Skipper) flüchteten wir unter Motor vor dem Regen. Schließlich hatten wir alle einen sonnigen Urlaub gebucht. Vom Regen verschont geblieben, konnten wir sogar noch unter Segel unserem Ziel entgegen steuern. Beim Abstellen des Motors schien Lothars Törnmotto „Nur kein Stress“ wahr zu werden. Der Hafen von Sivota bot zwar keine sanitäre Einrichtung, dafür konnten bei einem geschäftstüchtigen Restaurantbesitzer für 2 Euro die Duschen im Hinterhof genutzt werden. Am Abend erläuterte uns Lothar das sog. 7-8-9-Manöver: 7:00 Uhr aufstehen, 8:00 Uhr frühstücken und 9:00 Uhr ablegen. Einstimmig wurde das gesamte Manöver um eine Stunde nach hinten verlegt. Soviel zur Theorie...

Am zweiten Reisetag sollte es (um 10:00 Uhr, siehe oben) zur südlich gelegenen Insel Paxos gehen. Abgelegt haben wir dann gegen 11:30 Uhr, mit dem Hinweis, dass es irgendwo auf der Welt jetzt 10:00 Uhr ist. Lothar nahm es - wie immer - humorvoll und gelassen auf. Und bei ordentlichen Windstärken gab ich alles und steuerte hart am Wind Richtung Gaios. Nachdem die Co-Skipperin Sabine das Steuer übernahm, kam es zu einer kurzzeitigen Orientierungslosigkeit, und der Kurs musste mit einigen Wenden wieder korrigiert werden.

Duschräume waren im Hafen von Gaios übrigens auch wieder Mangelware, so dass die bordeigene Außendusche ihre Premiere feierte, nachdem wir an einem kleinen Strand gebadet hatten, und Markus seine, mit Sushimotiven bedruckte Badehose, einweihte.

Das während der Fahrt geltende Alkoholverbot wurde nach jedem Anlegen aufgehoben, und spät abends demonstrierte uns die Hobbykletterin Elke in Weinlaune den einhändigen (!) Palstek. Erläutert wurde das Ganze mit handarbeitlichem Vokabular aus dem Bereich des Häkelns, wie „Luftmaschen“ und ähnlichem. Lothar war der Verzweiflung nahe, aber Bianca griff die Stichwörter begeistert auf. Auch Neusurfer und Segelanfänger Michael war inzwischen zu der Überzeugung gekommen, dass Segeln ja ganz einfach sei: „Da musst Du nur an vier Kordeln ziehen.“

Überhaupt hatte sich die seemännische Fachsprache noch nicht so ganz durchgesetzt. Es war noch häufig von rechts und links die Rede, man ging in den Keller, um in der Küche zu kochen, machte die Fenster auf und zu und fand auch die Zimmer zu klein. An Deck wurde die Markise zugezogen und das Lenkrad bedient. Geduldig und immer mit sehr viel Humor versuchte Lothar (erfolgreich!) uns langsam zu echten Seebären umzuerziehen.

Obwohl es sich um einen Urlaubstörn handelte, kam auf Wunsch der Crew die Ausbildung nicht zu kurz. Auf der Überfahrt von Gaios nach Preveza hatten wir, insbesondere nachdem Elke das Steuer übernahm, leider wenig Wind, und so nutzten wir die Zeit für das Boje-über-Bord-Manöver unter Motor. In Preveza machten wir direkt an der gut besuchten Hafenpromenade fest, nachdem Lothar durchsetzungsstark einige Angler verjagt hatte. Hier bot sich uns die Gelegenheit, einige Cocktails in der Bar schräg gegenüber zu testen.

Am vierten Reisetag legten wir wie immer „pünktlich“ um 10:00 Uhr ab, um nachmittags Parga zu erreichen. Auf der Fahrt begleiteten uns sogar für einen kurzen Moment zwei Delphine! In Parga war der kleine Hafen schon voll, so dass wir zunächst vor Anker gingen. Unser Skipper legte das Schiff aber noch einmal um, und mit Hilfe von dem Schwimmer-Dreamteam Bianca und Michael konnten wir sogar die Achterleinen an der Hafenmole festmachen. Per Wassertaxi ging es zum Abendessen in die Stadt. Als sich ein wolkenbruchartiges Gewitter über uns ergoss, mussten wir schnellstens wieder an Bord und dort, wegen einer nicht verschlossenen Luke, einige Sachen von Sabine und Nicole trocken legen. Am nächsten Morgen legten wir tatsächlich, auch nach Ortszeit, um 10:00 Uhr und bei leichtem Regen ab; mussten dann allerdings während der Fahrt unser Frühstück einnehmen. Doch selbst Nicole, die ohne ihre Reisekaugummis in den ersten Tagen „an der Brechstange“ gesessen hätte, war inzwischen seefest geworden und langte reichlich bei den von Markus zubereiteten Rühreiern zu. Nachdem der Tag bei Regen nicht ganz so optimal begonnen hatte, wurden wir von Lothar mit einem Badestopp in einer sog. Karibikbucht auf Antipaxos belohnt. Am Strand mit traumhaftem Blick auf türkisfarbenes Meer genossen wir die Zeit.

Die vorletzte Nacht verbrachten wir auf Paxos, wo wir freundlicherweise von unseren Nachbarn zu Pasta eingeladen wurden. Diese war äußerst schmackhaft und schonte auch die Bordkasse. Beim Austausch von Schilderungen der ruhmreichen Heldentaten auf See konnten wir inzwischen mithalten, so dass es ein langer und unterhaltsamer Abend wurde. Recht verschlafen machten wir am letzten Segeltag sogar schon um 8:15 Uhr vom Nachbarschiff los und traten den letzten Schlag zum Heimathafen Gouvia an. Vorher wurde mit dem Dingi noch eine kleine Grotte besucht und ein letztes Mal ein erfrischender Badestopp eingelegt.

In Gouvia freuten wir uns auf die schönen Duschen, und dann hieß es, nach einem späten Abendessen, auch schon Abschied nehmen, da ein Teil von uns zu nachtschlafender Zeit bereits mit dem Taxi zum Flughafen gebracht wurde. Wir gingen mit dem festen Vorsatz auseinander, nächstes Jahr wieder einen Törn bei Windbeutel zu buchen -aber nur mit Skipper Lothar, denn da gibt es keinen Stress!

Ulrike Bertram
12.11.2009 14:52 Ulrike ist offline E-Mail an Ulrike senden Beiträge von Ulrike suchen Nehmen Sie Ulrike in Ihre Freundesliste auf
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